Ein Schreckensszenario für die baltischen Staaten ist die Basis für meine zweite Next War Errungenschaft: Russland holt sich Estland, Lettland und Litauen zurück.

Eine 2015 veröffentlichte Studie des Center for European Policy Analysis ist die Basis für Mitchell Land’s Next War: Poland. Darin skizziert der Think Tank mit welchen Mitteln, Taktiken und mit welcher Geschwindigkeit ein agressives Russland sich quasi an einem Wochenende das Baltikum einverleiben könnte. Dabei spielt eine Invasion Polens eine grosse Rolle, zum Einen als Beschäftigung für eine NATO Reaktion, andererseits als Faustpfand für die kommenden Friedensverhandlungen.
Rein spieltechnisch läuft NW:P in etwa der gleichen Schiene wie Next War: Taiwan. Einige Mechaniken aus NW:T kommen wieder zum Einsatz, so beispielsweise die Landungsunternehmungen. Neu dazu kommen dem Szenario entsprechende Regeln, bspw. für die russischen S-400 Luftabwehrsysteme und taktische nukleare Waffen.
Die NATO muss aufholen
Mich hat die sehr dünne Präsenz von NATO Truppen in Polen zu Beginn des Konflikts erstaunt. Nebst den paar polnischen Brigaden ist lediglich eine schnelle Eingreiftruppe der USA da. Der Luftpolizeidienst wird von weiteren NATO Partnern geleistet, dies entscheidet das Chit Pull Glück (oder Pech). Bei mir waren es am Ende ein paar Staffeln französische Rafale. Das Committment der NATO-Staaten ist auch variabel ausgelegt, um die Szenarion anzureichern. Wie unterscheidet sich eine zurückhaltende Reaktion des Westens gegenüber einer Full-on-balls-to-the-wall-Intervention der gesamten NATO, inklusive Spanien und den Niederlande?
Auch in diesem Titel hat der Aggressor zu Beginn alle Karten in der Hand. Die NATO muss via Atlantik/Ostsee auf dem Seeweg und via Deutschland auf dem Landweg erst alles an die Front schaffen. Auch in diesem Titel spielt die Internationale Staatengemeinschaft eine Rolle, baltische Nachbarstaaten wie Schweden können in den Konflikt gezogen werden. Minen werden gelegt, Special Forces sabotieren Verteidungsassets, Wild-Weasel Jets stören die Air Defence vor eintreffenden Bombern, getarnte B2 Spirit fliegen von US Basen aus Einsätze gegen Einrichtungen in Russland.
Um die schiere Masse an taktischen Möglichkeiten zu illustrieren, habe ich oben eine selbstgebastelte “Strike Source / Target Matrix” eingefügt. Sie zeigt alle Quellen eines Strikes (Reihen) und die möglichen Ziele (Spalten). Das sind 63 Kombinationen!
Bild: GMT
Die strategische Karte ist erneut ein Augenschmaus und macht Spass ohne Ende. Jede Aktion kann grosse Wirkung haben, es handelt sich um echte Entscheidungen, keine Gimmicks. In der kommenden Erweiterung #3 für Next War ist eine zusätzliche operative Karte der Inseln Bornholm und Gotland inkludiert, damit die Besetzung dieser strategisch wichtigen Insel voll ausgespielt werden kann! Ebenso wurde Kaliningrad und Litauen erweitert.
Komplexität erneut erhöht
Mit NW:P hat Mitchell Land dem System erneut noch mehr Komplexität aufgezwungen. Dies macht es bestimmt nicht spielbarer, aber es macht es noch interessanter – zumindest für mich. Dies ist ein toller Titel!
Polen ist dünn mit NATO Truppen “besiedelt”. Auslegung des Russischen OOB zu Beginn der Kampagne. Wer kommt am besten wo hin? Das Baltikum vor dem Sturm. So viele Tracker! Der grosse Track oben rechts (0-60) visualisiert ca. 20 Werte. Wunderschöne Air Tracks, inklusive Infrastruktur in den Holding Boxes (Air Bases, Nuclear Sites). Links unten der Schwedenfahne der SpecOps & Cyber Warfare Track. Optional Rules kurz notiert. Die “Refugee” Regel macht das Vorwärtskommen auf den Strassen für alle noch schwerer. Auf dem “Friedhof” warten zwei Air Wings auf den Rebuild: Polnische F-16 und Französische Rafale. Gut zu sehen oben bei Kaliningrad: Zwei Batterien S-400 – das wahrscheinlich beste Luftabwehrsystem der Welt. Es bewirkt, dass die NATO selbst über eigenem Gebiet fliegen muss wie über feindlichem. Zeit für ein paar kräftige Luftschläge der Spirit Bomber!