HOSTOMEL, war es wirklich im Voraus verloren?

Am 24. Februar 2022 starteten die russischen Streitkräfte (RuAF) vor den Toren Kiews eine ebenso gewagte wie riskante Operation, die ihren Eliteeinheiten, den Luftlandetruppen (VDV), anvertraut wurde. Die Schlacht dauerte nur kurz, doch das entschlossene Eingreifen der ukrainischen Streitkräfte (AFU) vereitelte in den ersten Stunden des Gefechts ein gefährliches Manöver. Dank Wargaming ist es möglich, diese Schlacht methodisch zu analysieren und wertvolle Einblicke in eine der gewagtesten Spezialoperationen im Rahmen einer gross angelegten Operation (LSCO) der letzten Jahre zu gewinnen. Erleben Sie diese Schlacht mit Spielern, die vor den gleichen Dilemmas standen wie die echten Kommandeure.

Dieser Artikel von SWG Gastautor Nicolas Penseyres erschien in “stratos digital”, der militärwissenschaftlichen Zeitschrift der Schweizer Armee, in Ausgabe #107 im April 2025. Nicolas ist Leiter Wargaming beim Centre d’histoire et de prospective militaires (CHPM) und Doktorand im Bereich Sicherheits- und Verteidigungsdiplomatie an der Universität Freiburg.

Über das Wargame und das Game Design

Einige semantische Überlegungen vorweg: Um den starken methodischen Grundlagen des infowargame Projekts so nahe wie möglich zu kommen und den Leser nicht mit einem „spielerischen“ Bild des Krieges zu verwirren – und somit eine ernsthafte Herangehensweise an die Erforschung von Kampfhandlungen vorzuschlagen – verwenden wir in diesem Artikel ausschliesslich den Begriff „Wargame“. In seinem modernen Verständnis gibt es keinen ganzheitlicheren Begriff, weder im Englischen, Französischen noch im Deutschen. Wir verstehen seine vielen, zum Teil umstrittenen Definitionen, erkennen aber an, dass er im Wesentlichen aus drei Bestandteilen besteht : Spielern, Entscheidungen und Konsequenzen.

Aus Sicht des Spieldesigns ermöglicht ein einfaches Wargame die Darstellung einer komplexen Situation und fördert effizientes Erfahrungslernen für alle Beteiligten, wenn der Schwerpunkt auf menschlicher Entscheidungsfindung und Konsequenzmanagement liegt. Um die Erzählung richtig zu gestalten und diese besondere Schlacht darzustellen, haben wir uns für das System „Ukraine 2022“ (Tom Jensen, 2022) entschieden. Dies ermöglicht die Darstellung kleiner Züge mit 15 Soldaten für VDVs und 20 Soldaten für AFU-Einheiten. Angesichts der Anzahl der eingesetzten komplexen Waffensysteme, der Tatsache, dass sich der Kampf hauptsächlich um leichte Infanterie dreht, die Luftunterstützung durch Kampfhubschrauber erfolgt und die Feuerreichweite 1.000 Meter nicht überschreitet , wurde dies als ausreichend erachtet.

Es wurden einige Modifikationen vorgenommen, um das Wargame an unsere Forschungsbedürfnisse anzupassen. Erstens wurde für die Führungsebene ein Initiativensystem hinzugefügt, um die Wirkung von Unterdrückung auf Infanterie zu betonen und die Feuerkraft im Gefecht zu maximieren. Zweitens wurden verschiedene Befehle per Würfelwurf generiert, um die Reibung zu erhöhen und die Kommandeure zur Improvisation zu zwingen (mögliche Befehle waren: Bewegung, Angriff, Hinterhalt, taktischer Vormarsch oder Sturmangriff). Drittens wurde die Wirkung des taktischen Anführers auf dem Schlachtfeld durch die Einführung einer speziellen Phase erhöht, in der der Kommandant über seine Schwergewichte entscheiden und den Verlauf der Ereignisse im kleinen Massstab beeinflussen konnte.

Schliesslich zielte dieses Wargamedesign nicht darauf ab, die Realität in Form einer detaillierten Simulation der Geschehnisse dieses Tages abzubilden. Vielmehr waren die Methodik und die konfrontative Natur des Wargames Teils eines grösseren Versuchs, Elemente der Schlacht darzustellen und eine plausible Erzählung zu ermöglichen. Dies, um die Schlacht zu diskutieren und das Bewusstsein zu schärfen über einige der Herausforderungen der Führungsebene im Kampf, leichte Infanterietaktiken bei Spezialoperationen sowie ihre Widerstandsfähigkeit gegen einen mechanisierten Gegenangriff im Falle eines Luftangriffs hinter den feindlichen Linien.

HOSTOMEL: Im Kern eine Spezialoperation

Von Beginn des Feldzugs an betonten die Invasionspläne der RuAF die Geschwindigkeit und Blitzartigkeit ihres ersten Vorstosses. In ihrer Doktrin entwickelte die RuAF einen ganzen Apparat, die VDV, für die Durchführung luftbeweglicher Operationen in der Tiefe. Als Gruppe grosser Eliteeinheiten waren die VDVs prädestiniert für vorbereitende Aktionen auf dem Flugplatz HOSTOMEL, um eine Streitmacht so nah wie möglich an das politische Zentrum der Ukraine heranzuführen.

Glaubt man Admiral William McRavens Theorie der Spezialoperationen, so hat der Hubschrauberangriff auf den Flugplatz HOSTOMEL alle Voraussetzungen dafür. Zweck einer Spezialoperation ist es, die relative Überlegenheit gegenüber dem Feind zu erreichen und zu halten, bis das Ziel erreicht ist, um die inhärente Schwäche kleiner, leicht bewaffneter Verbände gegenüber grossen konventionellen Streitkräften auszugleichen. Diese Art von Operation muss ein Gleichgewicht zwischen sechs wesentlichen Faktoren bzw. Ausführungsprinzipien herstellen: Einfachheit, Sicherheit, Wiederholung, Überraschung, Geschwindigkeit und Zielstrebigkeit.

Beteiligte Kräfte

Die ukrainischen Verteidiger des Flugplatzes HOSTOMEL sind qualitativ schwächer als die Angreifer der RuAF. Ihre Kampfmasse besteht aus drei bis fünf Reserve-Infanteriezügen, ihre Flugabwehr umfasst zwei ZSU-23-Geschütze (23 mm) und zwei IGLA-Lenkwaffengruppen. Insgesamt sind es etwa 130 Soldaten.

Die Ukrainer haben in der Umgebung verschiedene Eliteeinheiten in Alarmbereitschaft versetzt, darunter zwei unterbesetzte mechanisierte Kompanien (BTR-80, BTR-4 und BMP-2) sowie eine Abteilung Territorialinfanterie. Diese Kräfte werden erst später als Reaktion auf den VDV-Angriff eine Rolle spielen. Diese Reserve umfasst insgesamt etwa 270 Soldaten.

VDV-Kampfzüge sind sehr klein und bestehen aus maximal 15 Soldaten. Eine Kompanie umfasst somit etwa 60 Soldaten, einschliesslich eines Führungstrupps und eines Panzerabwehrtrupps (RPG). Eine taktische Bataillonsgruppe (BTG) besteht aus zwei Kompanien, zwei Unterstützungstrupps (ATGM, HMG, AGL, Scharfschützen, Mörser usw.) und dem Führungstrupp des Bataillonskommandeurs. Die erste und die zweite Welle bestehen zusammen aus zwei BTGs mit insgesamt etwa 280 Soldaten.

Allgemeine Lage

Es ist der 24. Februar 2022, 9:00 Uhr. Stunde H. Der Antonow-Flughafen wurde vom Kommando der Nordgruppe (RuAF) zum Schwerpunkt des Angriffs auf die ukrainische Hauptstadt erklärt. Seine Eroberung durch einen Hubschrauberangriff sollte es mechanisierten Verstärkungen ermöglichen, aus der Luft einzutreffen und dann in Richtung Kiew vorzustossen.

Die 31. Garde-Luftangriffsbrigade und die 45. Garde-Speznas-Brigade sind mit der Leitung des Hubschrauberangriffs auf den Antonow-Flugplatz beauftragt. Die Luftwaffe leistete hierfür erhebliche Unterstützung. Die Operation soll mit einem Luftlandeangriff der 76. Garde-Luftandedivision gipfeln, deren Aufgabe es ist, nach Kiew vorzudringen und die Stadt einzunehmen.

Die rückwärtigen Einheiten der 4. Schnellen Eingreiftruppe der ukrainischen Nationalgarde wurden beauftragt, Stellungen am Antonow-Flughafen einzunehmen und das Gelände zu besetzen, um im Falle eines russischen Angriffs Widerstand leisten zu können. Auch professionelle mechanisierte Einheiten, wie auch Luftlandetruppen der ukrainischen Streitkräfte sind in dem Gebiet präsent, die Kommunikation zwischen ihnen ist jedoch schwierig.

Der Schock des ersten Angriffs

Der Kommandant der ersten russischen Kampfgruppe beschloss, so nah wie möglich an den Verwaltungsgebäuden zu landen, um das Rollfeld so schnell wie möglich zu sichern, während er auf die zweite Angriffswelle wartete. Die morgendlichen Vorbereitungen führten zu Zerstörung und Rauch, der den Anflug auf das Landefeld einhüllte. Als sich die Hubschrauber näherten, waren die VDVs jedoch überrascht, die 23-mm-Flugabwehrgeschütze intakt zu finden und von ukrainischen IGLA-Gruppen beschossen zu werden. Der Schaden war jedoch minimal, und die Kampfhubschrauber griffen die nun entdeckten ukrainischen Formationen schnell an.

Die russische Kampfgruppe rückte schnell nördlich und südlich der Landezone vor, näherte sich den Verwaltungsgebäuden und sicherte den Anflug der zweiten Angriffsgruppe. Die Kampfhubschrauber Mi-24 und Ka-52 feuerten während des An- und Abflugs der Mi-8-Transporthubschrauber auf Sicht. Die Kontaktzone war mit Rauch gesättigt.

Im Norden griff eine Kompanie der zweiten Kampfgruppe, unmittelbar nach der Landung, eine Stellung einer 23-mm-Flugabwehrkanone und eines ukrainischen Infanteriezuges an. Unter dem unterstützenden Feuer einer Ka-52 sicherte ein Zug die Stellung, während zwei weitere Züge über das Feld stürmten, um die Stellung schnell einzunehmen. Da der ukrainische Zug durch den Schock des Angriffs gelämht wurde, verlagerte sich das Kräfteverhältnis zu Gunsten der Russen, die die Stellung einnahmen.

Nachdem das gesamte Verwaltungsgebäude gesäubert worden war, waren die grossen Hangars unter Kontrolle, das Ende des Rollfelds gesichert und die Anhöhen besetzt. Alle Angriffe führten schliesslich zur Vernichtung der ukrainischen Einheiten, die den Flugplatz HOSTOMEL verteidigten, 60 Minuten nach dem Hubschrauberangriff und vier Stunden nach Beginn der gesamten Operation.

Unsicherheit setzt ein

Da die ukrainischen Truppen, die direkt für die Verteidigung des Flugplatzes zuständig waren, ausser Gefecht gesetzt oder vorübergehend abgezogen waren, begannen die Russen, in das Gebiet vorzudringen und ihre Kontrollzone auszuweiten. Sie verstärkten das Gelände, so gut sie konnten, doch insbesondere die Landebahn in ihrer Gesamtlänge war schwer zu sichern. Die einzigen Waffen mit Reichweite und Feuerkraft, die Panzerabwehrlenkwaffen, waren mit nur zwei in der gesamten Angriffstruppe vorhanden.

Ukrainische Einheiten bedrängten die Russen mit Mörser- und Haubitzenfeuer sowie Tieffliegerangriffen von SU-24-Kampfflugzeugen und Mi-24-Kampfhubschraubern. Den VDVs gelang es nicht, die Landebahn von den LKW-Wracks zu befreien, die die ukrainischen Verteidiger vor dem Luftangriff in Brand gesteckt hatten, um die Nutzung der Landebahn zu verhindern.

Die Spannung unter den VDVs war spürbar, da sie nicht wussten, wann und wo der Gegenangriff der AFU stattfinden würde. Eines war sicher: Früher oder später würde es passieren. Ihre Hoffnung ruhte auf der baldigen Ankunft mechanisierter Verstärkungen, die sich von Norden her auf HOSTOMEL zubewegten, aber durch heftigen ukrainischen Widerstand und Hinterhalte gebremst wurden.

Feuer und Bewegung

Kurz vor Beginn des Gegenangriffs warf eine ukrainische SU-24 Bomben auf das Rollfeld ab, und eine ukrainische Mi-24 feuerte eine Raketensalve auf ein Gebäude am Rande der Landebahn, in dem sich eine Panzerabwehreinheit und ein Zug Fallschirmjäger befanden. Ein erster Vorstoss wurde von einer ukrainischen mechanisierten Kompanie gestartet, zwei Züge in Front mit einem Zug auf der rechten Flanke im Osten, der einen hinter der Flugplatzmauer stationierten VDV-Zug zurückdrängte.

Ein Zug BTR-4 und ein Zug BTR-80 griffen von Nordosten mit Unterstützung eingem Artilleriefeuer in der Verwaltungszone an und sorgten für die Unterdrückung der Panzerabwehrgruppe. Gleichzeitig näherte sich ein Zug Spezialkräfte von Westen her dem Rand des Flugplatzes, hatte jedoch aufgrund seiner zahlenmässigen Unterlegenheit gegenüber den drei VDV-Zügen, denen er gegenüberstand, kaum Erfolgschancen. Schliesslich fuhr ein Zug BTR-80 von Norden nach Süden über das Rollfeld und versuchte, die Fallschirmjäger aus ihrer hastig eingegrabenen Deckung zu vertreiben.

Das Wargame endete mit einem ukrainischen Gegenangriff, den die Russen nur schwer abwehren konnten. Wie bei der tatsächlichen Schlacht zogen sich die Ukrainer nach dem Angriff zurück, da sie die unmittelbar bevorstehende Ankunft schwerer russischer Verstärkungen fürchteten. Diese trafen jedoch erst später auf dem Flugplatz ein.

Fazit: Ein taktischer Erfolg, aber ein operativer Misserfolg

Taktisch gesehen kämpften die RuAF mit einer grossen Anzahl von Eliteeinheiten gegen einen zahlenmässig unterlegenen ukrainischen Verteidiger. Wenig überraschend übernahmen die Russen schnell und mit minimalen Verlusten die Kontrolle über den Flugplatz. Nach Abschluss der ersten Angriffsphase begann die eigentliche Arbeit, den Flugplatz zu sichern. Die ukrainischen Streitkräfte setzten anschliessend kontinuierlich indirektes Feuer (Mörser, Haubitzen) und verfügbare Luftmittel (SU-24, Mi-24) ein und gaben den VDVs keine Chance, ihre Erfolge zu festigen.

Da die Landebahn sporadisch unter Beschuss stand und die schweren Transportflugzeuge nicht landen konnten, konnten die VDVs keine schwere Ausrüstung (Panzer, schwere Mörser, zusätzliche Panzerabwehrraketen usw.) zum Einsatz bringen. Trotz aller verfügbaren Kräfte wurden die Einschränkungen schnell deutlich, als die russischen Akteure versuchten, sich auf die Verteidigung des Flugplatzes vorzubereiten.

Um die Dimensionen einer solch gewagten Aktion zu verstehen, ist es unerlässlich, den Aufbau einer Kampagne, die zeitliche und räumliche Ausrichtung der Ziele sowie die Abwägung von Risiken und Chancen zu verstehen. Im Falle der ursprünglichen Pläne der RuAF wurde die Möglichkeit einer tiefen Operation auf dem Flugplatz HOSTOMEL offensichtlich als opportun erachtet, obwohl die Risiken hinsichtlich der Fähigkeit nachfolgender Formationen, die Luftlandetruppen schnell zu erreichen, hoch waren. Letztendlich wurde der taktische Erfolg der Russen durch den bereichsübergreifenden Einsatz ukrainischen Unterstützungsfeuers (Grad, Gvozdika, Luftmittel usw.) zunichte gemacht, indem es den Flugverkehr behinderte, wenn nicht gar zu unterbrechen drohte. Darüber hinaus ist zu beachten, dass der Gegenangriff keine Auswirkungen auf die Operation hatte, ausser dass er die Störung des Flughafens verlängerte. Allein dieser letzte Punkt rechtfertigt den Gegenangriff.

Aus strategischer Sicht war die Überbetonung der Eroberung dieses Militärflugplatzes in der Gesamtplanung zwar in Einklang mit den strategischen Zielen, aber gleichzeitig deren grösste Schwäche. Die RuAF plante daher auf der Grundlage wichtiger Variablen, auf die sie wenig Einfluss hatten oder die aufgrund ihrer Ungewissheit eine negative Ereigniskaskade, eine exponentielle Reibung, auslösen konnten, die die gesamte Operation gefährden würde. Der Widerstand der AFU, ihr Kampfgeist und ihre Geschwindigkeit beim Gegenangriff, sowie das permanente Schikanieren der VDV auf dem Flugplatz HOSTOMEL trugen massgeblich zum Scheitern des ursprünglichen russischen Invasionsplans bei.

McRaven argumentiert, dass es bei Spezialoperationen immer darum gehen sollte, so schnell wie möglich relative Überlegenheit im Gefecht zu erlangen und diese so lange wie nötig zu halten, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Wir haben oben gesehen, dass er sechs wesentliche Planungs- und Durchführungsprinzipien für Spezialoperationen hervorhebt.

Angesichts der Unsicherheit und der Bedrohungseinschätzung können jedoch drei Elemente einer Spezialoperation modifiziert werden, um ihre Erfolgschancen zu erhöhen: Verringerung der Verwundbarkeit der Truppe oder der Operation als Ganzes (mehr Kräfte, mehr schweres Gerät, bessere Aufklärung), Reduzierung des Zielbereichs (Eroberung einer weiteren Landebahn, Eroberung vs. Halten einer Landebahn) und Verkürzung der Einsatzdauer (bessere Synchronisierung mit nachfolgenden Formationen, Verkürzung der Zeit zum Halten einer Landebahn).

Die sechs Prinzipien für die Planung und Durchführung von Spezialoperationen und die drei Dimensionen, die das Konzept der relativen Überlegenheit beeinflussen.
(Quelle: Autor in Anlehnung an und adaptiert von McRaven)

Erkenntnisse für die Schweizer Armee

Ziel des am 10.02.2024 durchgeführten Wargame war es, die Schlacht um Hostomel und ihre Rolle in den Operationsplänen der RuAF zu untersuchen. Der Schwerpunkt lag daher auf Kampfzügen als Manöverelemente und spezialisierte Trupps (RPGs, ATGMs, HMGs usw.) zur Unterstützung, die alle als Teil einer taktischen Bataillonsgruppe (BTG) agierten. Es konnten verschiedene Erkenntnisse über die Rahmenbedingungen der Operation und ihre taktischen, operativen und strategischen Auswirkungen gewonnen werden. Es gibt aber auch interessante Beobachtungen zur Abwehr von Spezialoperationen und insbesondere von Luftangriffen:

Find, Fix, Flank & Fight ASAP
Greife den Feind so schnell wie möglich an, auf dem Weg zur Landezone (LZ) oder unmittelbar nach der Landung. Je schneller du die Bewegungen des Feindes erkennst, desto besser kannst du die Sicherheit seiner Operation gefährden und den beabsichtigten Überraschungseffekt verringern.

Send what you have now, not all you have later
Die Reaktion auf eine Spezialoperation muss schnell und entschlossen erfolgen, um dem Feind die relative Überlegenheit zu verwehren. Der Feind muss durch Feuer und Bewegung ständig unter Druck gesetzt werden.

Focus on the operational objective rather than the tactical victory
Spezialoperationen sind äusserst zeit- und zielkritisch. Das bedeutet, dass man es sich leisten kann, die Bedrohung einfach zu isolieren, bis diese Phase der Operation für den Feind verloren ist, solange man ihre Durchführung und das Erreichen der nachfolgenden Ziele verzögern kann (maximal 72 Stunden).

Infowargame: Militärisches Denken und militärische Doktrin durch Wargaming erforschen

Im Jahr 2022 gründete das Centre d’Histoire et de Prospective Militaires (CHPM) in Pully eine Wargaming-Arbeitsgruppe, die sich aus engagierten Einzelpersonen zusammensetzt. Das Projekt zielt darauf ab, eine Plattform für den Austausch zwischen Fachleuten, Akademikern und Wargaming-Spezialisten zu bieten, sowohl in Theorie als auch in Praxis.

Die Gruppe arbeitet daran, die Wargaming-Kultur in der Schweiz zu stärken und soll zu einer Referenzorganisation für professionelle, militärische und Hobby-Wargamer im ganzen Land werden. Wargaming kann eine grosse Wirkung haben, doch um ihre volle Wirkung zu entfesseln, müssen Methodik und Praxis verstanden werden.

Ein jährliches Programm ermöglicht es einer Gruppe von Spezialisten und Experten, verschiedene Schlachten und komplexe Probleme mithilfe von Wargaming zu untersuchen. Diese Veranstaltungen sind über die CHPM-Website zugänglich. Die Anmeldung erfolgt direkt über inforwargame@protonmail.ch.


Author: Nicolas Penseyres